Studium in Erlesener Umgebung
Erweiterung des Fresenius-Campus um zwei neue Pavillons
Seit der Konversion von Münchens alten Kasernengeländen sind völlig neue Areale entstanden, die heute ganzen Stadtteilen ein neues Gesicht geben. Besonders deutlich wird dies auf dem Areal der ehemaligen Kaserne zwischen der Schwere-Reiter-Straße und der Infanteriestraße. Hier entwickelten sich im Laufe der Jahre eine kleine Designstadt und ein Bildungscampus: Neben der Grundschule von Behnisch Architekten stehen hier etliche Pavillons, die der Bauherr, die Südboden Grundbesitz Schwabing, an die Fresenius-Hochschule vermietet hat.
Zwischen den im 19. Jahrhundert erbauten denkmalgeschützten ehemaligen Kasernengebäuden des Campus Infanteriestraße 11 a sind die flachen Neubauten der Pavillons I–VI eingefügt worden. Sie bilden zusammen ein städtebaulich und architektonisch hochwertiges Ensemble. Wachsender Raumbedarf machte eine Erweiterung um weitere Pavillons notwendig. Wie der schon zehn Jahre alte Pavillon IV wurden die neuen Gebäude V und VI vom Münchner Architekturbüro Weickenmeier, Kunz + Partner entworfen und realisiert. Halb versteckt hinter einem der mächtigen Bestandsgebäude liegen die Neubauten des Pavillon V und des kleineren Pavillon VI. Wie ihre Vorgänger verfügen auch diese schlanken doppelgeschossigen Gebäude über eine dunkelrote Klinkerfassade, die sich von den hellroten Ziegeln der ehemaligen Kasernengebäude optisch absetzt. Die dezente Farbigkeit, die großflächigen Fenster und die schlanke schmale Form verleihen den „Lernhäusern“ eine gewisse Eleganz, die in keiner Weise an nüchterne Bürobauten denken lässt. Die Flachdächer sind intensiv begrünt und dienen der klimatischen Verbesserung des Campus-Geländes. Eingebettet in Grünanlagen der Landschaftsarchitekten realgrün, entstand ein sensibler Übergang zu den südlichen Nachbargebäuden der denkmalgeschützten Reithalle und eines künftigen Gebäudes der TUM. Oberirdisch ordnen sich die Pavillons mit ihrer Zweigeschossigkeit den denkmalgeschützten Kasernengebäuden unter, in Analogie zu den restlichen Pavillons. Beim Näherkommen gibt der vordere Pavillon den Blick auf sein durch einen Tiefhof ergänztes Untergeschoss frei.
Eine breite, teils mit Sitzflächen ausgestattete Freitreppe führt in den vier Meter tiefer liegenden Hof. Sie bildet den Zugang zur Mensa für den Campus und einem öffentlichen Restaurant. Der Vorplatz bietet in der warmen Jahreszeit genügend Raum, um das Lokal nach draußen zu erweitern – ein idealer Treffpunkt für alle Nutzer:innen des Campus. Das erweiterte Untergeschoss, das die beiden neuen Pavillons verbindet, beherbergt auch noch die Bibliothek für die Studierenden. Die Gestaltung der Fassaden mit Klinker und großzügigen Glasflächen der Holz-Pfosten-Riegel-Fassade, in denen sich die alten Gebäude spiegeln, wird im Innenbereich ergänzt mit einer reduzierten Auswahl an Materialien und Farben: Sichtbeton, schwarzer Stahl, heller Naturstein, dunkles Linoleum oder Industrieparkett. Das Gebäude birgt insgesamt neun Seminarräume für je 30 bis 55 Personen.
Aufzüge, Treppen, Türen und Flure zeichnen sich durch eine zurückhaltende, sehr geschmackvolle Gestaltung aus. Die Räume haben eine einladende Atmosphäre und animieren förmlich zum Studieren. Die umfangreiche technische Ausstattung mit akustisch wirksamen Deckensegeln zum Heizen und Kühlen, ergänzt durch eine hochwertige Beleuchtung und Medientechnik, ermöglicht eine optimale Nutzung des Gebäudes. Überraschend ist die Nutzung des kleineren Pavillons VI. Hier wurde das Ambiente einer psychologischen Arztpraxis simuliert – stimmig vom Empfangstresen bis zum Sprechzimmer. Diese „Hochschul-Ambulanz“ dient der praxisnahen Ausbildung der Psychologiestudierenden. Im Herbst 2023 konnten die Pavillons dem Lehrbetrieb übergeben werden.
Fotos:
Stefan Müller-Naumann
www.architektur-fotograf-muenchen.de
(Erschienen in CUBE München 02|24)