Nachhaltig ergänzt
Holz-Beton-Hybridneubau ergänzt einen Altbau, der mit seiner Bauzeit ablesbar bleibt
Am Rande der Nördlinger Altstadt sollte auf einer ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Fläche ein baufälliges Gebäude weichen und das bestehende Wohnhaus aus den 1950er-Jahren kernsaniert werden. Anstelle des Abbruchgebäudes entwarf das atelier coa einen Neubau, der sich direkt an das Bestandsgebäude fügt und in seiner Dimension sowie städtebaulichen Ausrichtung die neue Adresse auf dem Grundstück bildet. Mit dieser Baumaßnahme konnten in enger Abstimmung mit der Stadt rund 40 Büroarbeitsplätze und vier Wohnungen entstehen sowie zwei Wohnungen kernsaniert und eine Maisonette-Wohnung durch Aufstocken des Bestandsgebäudes geschaffen werden. Das Bindeglied zwischen den beiden rechtwinklig zueinander stehenden Baukörpern bildet das Treppenhaus, das die barrierefreie Erschließung des Ensembles ermöglicht.
Um dem Wunsch der Auftraggeber nach einem ökologischen und nachhaltigen Gebäude zu entsprechen, wählten die Architekten eine Holz-Beton-Hybridbauweise. Dabei sind die tragenden Elemente Stahlbetondecken und Stützen. Das massive Treppenhaus und zusätzliche Wandscheiben an den Giebelseiten dienen zur Aussteifung. Die nichttragende Holzfassade aus Brettsperrholz-Elementen, die vor den Rohbau gehängt ist, bildet mit einer Dämmung aus Mineralwolle die thermische Hülle. Die gestaltprägenden Holz-Lisenen verweisen auf die ehemalige Funktion des Areals als „Bauern-Stadel“ und dienen als Filter für den sommerlichen Wärmeschutz. Kräftig rote Stoff-Markisen akzentuieren das Gebäude, wobei die Kommunikationszonen der Bürogeschosse in ihrer Gestaltung den markanten Farbton aufgreifen.
Das aufgestockte Dachgeschoss ist in Holzbauweise mit Sichtdachstuhl umgesetzt. Mit einer über die gesamte Hausbreite spannenden Decke aus Brettsperrholz wurde eine neue Zwischenebene eingeführt, sodass die Wohnung im Dachgeschoss zweigeschossig als Maisonette ausgelegt ist. Obwohl sich der Neubau und das Bestandsgebäude zu einem Gesamtensemble ergänzen, sind ihre unterschiedlichen Entstehungszeiten bewusst ablesbar gestaltet. So erhielt das Bestandsgebäude eine schlichte Putzfassade, während die Farbgebung der Fenster, Ziegel und Bleche der des Neubaus entspricht.
Fotos:
Daniel Stauch Photography
www.danielstauch.com
(Erschienen in CUBE Stuttgart 02|24)