Maßvoll und selbstbewusst
Der Schulneubau bildet mit dem denkmalgeschützten Altbau eine harmonische Einheit
Der Landesbetrieb SBH Schulbau Hamburg ist verantwortlich für den Bau und die Bewirtschaftung von rund 3.000 Schulgebäuden. Die offene Ganztagsschule Nettelnburg am Standort Fiddigshagen im Bezirk Bergedorf ist von BKSA Hamburg, einem Zusammenschluss aus BKS Architekten und der assmann gruppe, erweitert worden. Der Auftrag umfasste einen Schulneubau inklusive Verwaltungsflächen und Zweifeldsporthalle sowie die Sanierung der Gemeinschaftsflächen und Klassenräume im Bestand. Die bestehenden Gebäude auf dem Gelände umfassen unterschiedliche Baujahre, Bauweisen und Bautypologien, das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude von 1928 bildet das Zentrum.
Der zweigeschossige Neubau komplettiert die südöstliche Ecke des Schulensembles auf selbstverständliche Weise, indem er den Pausenhof rahmt und zu der angrenzenden Wohnbebauung abschließt. Er antwortet damit auf den Erweiterungsbau westlich des Hauptgebäudes. Der Pausenhof wird zum Zentrum. Im Erdgeschoss liegt gut erreichbar die Zweifeldsporthalle mit Umkleide- und Geräteräumen. Im ersten Obergeschoss sind neue Räume für Verwaltung und Ganztagsbetreuung angeordnet. Da der Neubau an das denkmalgeschützte Hauptgebäude anschließt, kommt der Gestaltung seiner Fassade eine besondere Bedeutung zu. Kennzeichnend für den bestehenden Backsteinbau sind eine gleichmäßig gerasterte Lochfassade, zwei markante Treppentürme vor der Nordfassade und weiße Holzfenster. Gesimse im Bereich der Sockelzone und der Traufe gliedern die Fassaden zusätzlich horizontal. Analog zum Hauptgebäude erhielt auch der Neubau eine rote Backsteinfassade.
Das linear durchlaufende Raster der Fassade des Bestandes wird im Neubau durch die harmonischen Fensterbänder aufgegriffen und neu interpretiert. Ausgewählte Fenstertypen für die Unterrichts- und Nebenräume sowie die Mensa zitieren das Altgebäude. Die Treppenhäuser sowie der zentrale Mittelflur zeichnen sich auf der Fassade ab. Ausgestellte Erker für die Differenzierungsräume brechen als Sonderelemente die strenge Rasterung auf. Der Neubau nimmt die Mittelflurerschließung und die Traufhöhe auf und schließt somit selbstverständlich an. Die Glasfassade der Gebäudefuge zwischen den Baukörpern springt zu den Fassadenfluchten der Neu- bzw. Bestandsfassade deutlich zurück, sodass die Einzelbaukörper klar ablesbar sind. Durch die Transparenz der Fuge öffnet sich das Gebäude an dieser Stelle. Das Gebäudeensemble bildet in Materialität, Anmutung und Form eine Einheit.
Fotos:
Ralf Buscher
www.ralfbuscher.de
(Erschienen in CUBE Hamburg 03|24)