Komorebi
Japanische Poesie stand beim Namen für ein Wohnhaus mit verkohlter Holzfassade Pate
Das neue Wohngebäude für ein Paar thront auf einem Hügel mit Weitblick gen Süden auf das Naabtal in der Oberpfalz. Der junge Architekt Severin Queck hat es „Komorebi” genannt, ein japanischer Begriff für die Poesie der Stimmung, wenn Sonnenlicht durch die Blätter eines Baumes fällt. Auch die Behandlung der Holzverschalung aus japanischer Zeder wurde der in Japan gebräuchlichen Technik „Yakisugi” abgeschaut. Darunter versteht man die Erhöhung der Witterungsbeständigkeit des Holzes durch leichtes Verkohlen, was dieses resistent gegen Wasser, Schimmel, Fäulnis und Ungezieferbefall macht. Das ist der eine Effekt. Der andere ist ein ästhetischer: Die Fassade erhält eine ansprechende Optik. Die Bauherren wünschten sich ein Haus inmitten der Natur, aber auch in Einklang mit ihr. Dies ist absolut gelungen.
Der Bungalow mit seinem Flachdach, einer Länge von 19 und einer Breite von 9 Metern, fügt sich durch seine geringe Höhe und seine braune Fassadenhülle zwischen Bäumen und Gräsern harmonisch in seine Umgebung ein. Das Haus, mitten im Landschaftsschutzgebiet gelegen, ist nur über einen Wanderweg zu erreichen, wodurch sich die Anlieferung der großen Massivholz-Fertigteile durchaus als Herausforderung herausstellte und nur mit Hilfe von umgebauten LKWs möglich war. Bis auf das Stahlbetonstreifenfundament wurden fast ausschließlich Naturmaterialien eingesetzt. Die Außenwände, die Dachplatte und die Bodenplatte sind aus massivem Fichtenholz. Für den Bodenbelag wurden Natursteinplatten, Marchinger Drosselfels aus der Region, verlegt. Selbst die Vorhänge sind aus Naturgewebe, Leinen, und sorgen für Atmosphäre und begünstigen die Akustik. Eine bedeutende Rolle spielt eine massive Lehmwand aus ungebrannten Lehmsteinen, Lehmmörtel und Lehmverputz im Zentrum des Wohnraums. Insgesamt wurden 18 Tonnen Lehm für diese Wand benötigt. Mit dem integrierten Stahleinsatz zur Verbrennung von Holzscheiten stellt sie die einzige Heizung im Haus dar. Für die Energieversorgung sorgen Photovoltaikpaneele mit Speicher. Die Wohnfläche beträgt 118 m² und ist unterteilt in Eingangsbereich, Kammer für Technik, Wohnraum mit Küche und Essecke, Schlafzimmer und Sanitäranlagen. Panoramafenster sorgen für ausreichend Sonneneintrag.
Fotos:
Herbert Stolz
www.herbert-stolz.de
(Erschienen in CUBE München 03|24)