Drei Typen aus Holz

Am Rand des Wissenschafts- und Industrieparks in Adlershof wurden auf einer Fläche von 2.825 m² drei kubische Gebäude als Teil des neuen Quartiers „Wohnen am Campus“ errichtet.

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Zwar tobt zurzeit ein Bauboom über Berlin hinweg, innovative Architektur findet sich dabei leider viel zu selten. Das trotzdem in der Stadt noch wegweisende Bauprojekte entstehen können, zeigt nun die städtische Howoge. Die Wohnungsbaugesellschaft hat gemeinsam mit dem Generalübernehmer Brüninghoff und dem Architekturbüro Kaden+Lager am Rand des Wissenschafts- und Industrieparks in Adlershof auf einer Fläche von 2.825 m² drei kubische Gebäude als Teil des neuen Quartiers „Wohnen am Campus“ errichtet.

Entstanden sind 42 Ein- bis Vierzimmerwohnungen in Größen von 36 bis 100 m². Alle Wohnungen sind barrierefrei per Aufzug zu erreichen und verfügen fast alle über einen Balkon oder eine Terrasse. Die Gebäude sind in Holzhybridweise errichtet, was im Mietwohnungsbau immer noch eine Seltenheit ist. Holz ist als nachwachsender Rohstoff die ideale Alternative zum konventionellen Bauen. Das Material bindet und konserviert Kohlendioxid dauerhaft und kann damit die Emission beim Bauen nachhaltig verringern. Beim Bau der Wohnhäuser wurden Fertigbauteile verwendet, was die Baustelle in weiten Teilen in die Produktionshalle verlagerte. „Lediglich für die Decken und den Treppenkern verwendeten wir Stahlbetonfertigteile“, erklärt Stefan Gerdemann, Projektleiter Brüninghoff. „Neben dem Dach wurden alle Außenwände in Holzrahmenbauweise erbaut und kamen vom Fenster bis zur Steckdose fertiggestellt aus dem Werk. Damit dauerte die Montage pro Geschoss nur eine Woche.“ Die Typenbauweise hat nicht nur dazu beigetragen, die Prozesse zu verschlanken, auch konnte die Wohnungsbaugesellschaft so kostengünstig bauen. „Die Holzrahmenelemente wurden im Werk vorgefertigt und mit an den Innenwänden angebrachten dünnen Gipsplatten versehen“, berichtet Architekt Markus Lager von Kaden+Lager. „Das führt zu einem sehr schlanken Wandaufbau, der im Vergleich zum Massivhaus eine größere Bruttogeschossfläche ermöglicht – je nach Projekt kann das eine zusätzliche Wohnung bedeuten.“ 40 Prozent der Wohnungen sind förderfähig und werden zu Einstiegsmieten von 6,50 Euro/m² angeboten. Die übrigen Wohnungen kosten im Schnitt unter 10 Euro/m².

Die Holzhybrid-Bauten in Adlershof beantworten nicht nur brandaktuelle Fragen zur Nachhaltigkeit des Bauens sowie der dabei immer mitzudenkenden sozialen Komponente. Der hohe Vorfertigungsgrad durch komplett werkseitig hergestellte Bauteile führt zu einem Baufortschritt und damit zu einer kurzen Bauzeit. Auch vor diesem Hintergrund, dem Bauen mit standardisierten, vorgefertigten Elementen, spielte bei dem Projekt BIM als weitere Stufe der Digitalisierung und Werkzeug der Planung eine wichtige Rolle. Dabei wird ein digitaler Zwilling des Gebäudes erstellt, an dem sämtliche Bauabläufe und Planungen durchgespielt werden können. Das Projekt Urbaner Holzbau wurde als open BIM-Prozess konzipiert. Schon in der Entwurfsphase legten die Architekten alle relevanten Bauteile als 3D-Geometrie an und verknüpften diese mit vordefinierten Attributen, die dann im laufenden Planungsprozess fortgeschrieben und verfeinert wurden. „Das Projekt zeigt vor allem eins auf“, erklärt Architekt Markus Lager. „Sowohl Generalübernehmer-Verfahren als auch BIM-Technologie komprimieren die Prozesse des Planens und Bauens erheblich. Sofern sich Bauherren, Architekt und Ausführende respektieren, können auch abseits der klassischen Wege sehr gute Ergebnisse entstehen.“

Die Arbeit mit dem 3D-Modell vereinfacht nicht nur den Bauprozess, es soll auch später in der Hausverwaltung den Aufwand verringern. „BIM führt zu großen Vorteilen in der Bewirtschaftungsphase“, erklärt Ulrich Schiller, Geschäftsführer der Howoge. „Als ‚digitaler Zwilling‘ des Gebäudes bietet das System alle relevanten Gebäudedaten – von Plänen über eine Auflistung aller Bauteile und technischen Anlagen bis hin zu wichtigen Garantie- und Wartungsdokumenten. Müssen beispielsweise Reparaturmaßnahmen an den Gebäuden durchgeführt werden, lassen sich passende Ersatzteile problemlos anfordern. Dies spart allen Beteiligten Zeit und Kosten.“

www.kadenundlager.de
www.howoge.de

Fotos:

Bernd Borchardt
www.berndborchardt.de

(Erschienen in CUBE Berlin 04|19)

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