Ästhetisch hinzugefügt
Ein Garten mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten fügt sich nahtlos an das Haus
Der Garten sollte zum Haus passen und sich so präsentieren, als ob er schon immer dagewesen wäre. Mit dieser Vision wandte sich der neue Besitzer der Immobilie an Landschaftsarchitekt Burkhard Damm, der den Garten bereits seit 15 Jahren betreut. Es galt zum einen den großen Garten in einer tiefer gelegenen Ebene mit 5.000 m² Gesamtfläche sorgfältig zu sanieren. Dieser war vom Garten- und Landschaftsarchitekten Roland Weber, einem der bekanntesten Garten- und Landschaftsarchitekten der Nachkriegszeit in Deutschland, gestaltet worden. Die oberen, hausnahen Bereiche sollten hingegen vollkommen neu gestaltet werden.
Burkhard Damm erinnert sich an eine große Herausforderung: „Als ich zum Projekt stieß, war die Sanierung des Hauses bereits im vollen Gange und die Außenarbeiten mussten zeitnah und sehr komplex mit über zehn Gewerken mit dem Hausbau koordiniert werden.“ Der Bauherr hatte sich in der oberen, hausnahen Ebene Bereiche mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten gewünscht: einen Pool mit großzügiger Beschattung samt Outdoorküche und Poolhaus sowie mehrere Terrassen, die je nach Tageszeit und Wetter genutzt werden können. Burkhard Damm bevorzugt bei seinen Projekten nachhaltige, zeitlose Materialien, die zum Projekt passen. So verwendeten er und sein Team für die Bereiche um das Haus vorwiegend Travertin in unterschiedlichen Formaten. „Der Travertin wird in Deutschland abgebaut und passt in die Zeit der Entstehung des Hauses“, erklärt Burkhard Damm. Die Einfahrt, wurde mit ebenfalls heimischem „Limes Dolomit“ Pflasterplatten belegt. Als Untergrund für Terrasse, bei Küche und Beschattung als Konstruktionsholz wurde modifiziertes Holz (modifizierte „Pinus radiata“) verwendet, ein äußerst nachhaltiges Nadelholz, bei dessen Herstellung ohne Chemikalien die Zellstruktur so verändert wird, dass es nahezu Tropenholzeigenschaften erhält. Die vorhandenen Natursteinplatten (Mainsandstein) wurden als Polygonalverband neu verlegt. Der Park im unteren Bereich erfuhr eine behutsame Sanierung: Dabei wurden abgängige Bäume durch Neupflanzungen ersetzt, wodurch Intimität geschaffen werden konnte. Der neu gestaltete Garten, der einen beim Rundgang zur Ruhe kommen lässt, präsentiert sich mit belebten und vergrößerten Pflanzflächen: Ca. 8.000 Stauden und 12.000 Blumenzwiebeln bieten optimale Voraussetzungen für eine Anreicherung der Biodiversität. Die vielen hausnahen, kleineren Bereiche bilden ein Ganzes, funktionieren aber auch einzeln: als Betrachtungsgarten, Terrassen am Morgen und Abend, Polbereich, Partyzone und Willkommensbereich, wo Gäste empfangen werden. Burkhard Damm übernahm auch die Lichtplanung im Garten. Alle Bereiche sind mit Lichtszenen in der insektenfreundlichen Farbe „warmwhite“ unterlegt und einzeln oder in Gruppen über eine App regelbar.
Fotos:
Refugium Garten + Landschaftsplanung
(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|24)